Die rumänische Dezemberrevolution von 1989 war dramatischer und sicher auch blutiger, als im Westen allgemein bekannt wurde. Die schlechte Versorgungslage (kaum Lebensmittel, kaum Strom und Heizung) sowie eine jahrzehntelange Bespitzelung hatten im Frühjahr 1989 eine gärende Situation geschaffen. Hinzu kam noch die Ankündigung Ceausescus, seine monströse "Landreform" durchzuführen und über die Hälfte der rumänischen Dörfer dem Erdboden gleichzumachen. Besonders rumorte es in den Landesteilen mit ungarischer Bevölkerung wie in Timisoara (Temesvar). Dort hatte der evangelische Pfarrer Laszlo Tökos gegen das Dorfzerstörungsprogramm protestiert. Am 15. Dezember 1989 sollte er von der Geheimpolizei Securitate "evakuiert" werden. An diesem Tag versammelten sich zahlreiche Demonstranten vor der Kirche. Die Securitate hielt sich zunächst zurück und griff erst am folgenden Tag ein. Die Menge wehrte sich. Plötzlich Schreie: '"Wir wollen Freiheit! Wir wollen Brot!"
Schaufensterscheiben gingen zu Bruch, auch die einer Buchhandlung. Die Werke Ceausescus landeten auf der Straße und wurden angezündet. Die Situation eskalierte. Ein Zug von Demonstranten bewegte sich auf das Parteigebäude zu, aus den Häusern flogen Ceausescu-Bilder. Überall Rufe: "Jos Ceausescu!" Nieder mit Ceausescu. Dann fielen die ersten Schüsse. Securitate-Leute feuerten einfach in die Menge. Die Toten wurden abtransportiert und heimlich begraben. Am nächsten Tag wieder Schüsse, wieder Tote in Timisoara.
Die Revolution erfasse schnell alle Landesteile und größeren Städte. Während sich die Polizei zurückhielt, schlug sich die Armee auf die Seite der Demonstranten und kämpfte gegen die gut bewaffneten Elitetruppen von Securitate und Miliz. Ceausescu fühlte sich trotz der bürgerkriegsähnlichen Zustände vollkommen sicher. Er unternahm einen Versuch, sein Volk zu besänftigen, doch auch gegen ihn persönlich flogen nun die Steine. Am 21. Dezember hatten sich an der Universität bewaffnete Studenten verbarrikadiert. Es gab viele Tote. Einen Tag später floh das Ehepaar Ceausescu mit dem Hubschrauber vom Dach des Bukarester ZK-Gebäudes. Bei ihrer Landung wurden die beiden von Soldaten verhaftet, abgeurteilt und sofort hingerichtet. Diejenigen, die nach ihm die Macht übernahmen, sagen, dies habe weiteres Blutvergießen verhindert.
Rumäniens erstes demokratisches Staatsoberhaupt wurde der Sozialist Ion Iliescu. Viele der alten verhaßten Apparatschiks sind heute allerdings wieder in Amt und Würden.