Trotz moderner Forschungsergebnisse sehen viele Menschen im Wolf immer noch eine "gefährliche, blutrünstige Bestie". Dieser negative Mythos hat dazu geführt, dass der Wolf in Europa nahezu ausgerottet wurde.
Wölfe reissen vor allem Wild. Der Menschen fressende Wolf gehört ins Reich der Fabeln. In den vergangenen 50 Jahren ist kein Fall bekannt geworden, dass in Mitteleuropa ein Wolf einen Menschen getötet hätte. Neben Schafen gehören vor allem Rotwild und kleinere Säugetiere zur Beute der Wölfe. Wölfe jagen aber selektiv und bevorzugen kranke, schwache und überalterte Tiere. Studien zeigen, dass Wölfe ein Gebiet nicht "wildleer" machen.
Nach EU-Recht ist der Wolf geschützt und die Population beginnt durch die engagierte Arbeit einiger Naturschützer wieder langsam zu wachsen. Ausser in Russland kommt der Wolf in Europa am häufigsten in den rumänischen Karpaten vor.
Einen wesentlichen Beitrag dazu leisteten Barbara und Christoph Promberger, die im Gebiet des Königstein / Piatra Craiului seit einigen Jahren das Forschungsprojekt "CLCP - Carpathian Large Carnivor Project" betreiben. Hier gibt es noch mehr als 3000 wild lebende Wölfe (und ausserdem rund 5000 Bären und 2000 Luchse).
Diese große Zahl an wilden Räubern konnte sich nur durch die kommunistische Diktatur erhalten, in der es ausschließlich Privilegierten erlaubt war, diese zu jagen. Durch das Ende des Kommunismus in Rumänien kam es zu einer dramatischen Bedrohung der Tiere: die Privatisierung der Forste schränkt den natürlichen Lebensraum ein, die Zahl der (vor allem ausländischen) Jäger steigt dramatisch an, der staatliche Schutz der Naturreservate in Rumänien verliert aufgrund ökonomischer Einflüsse an Bedeutung.
Seit 1993 haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter des CLCP einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieses in Europa einzigartigen Naturreservates geleistet. Gleichzeitig wurde im Nationalpark Piatra Craiului ein vorbildliches Öko-Tourismus-Projekt entwickelt.
So kommt der Naturschutz nicht nur den Wölfen, Bären und Luchsen zugute sondern auch der regionalen Bevölkerung.
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