
Leben im Einklang mit der Natur

Leben im Einklang mit der Natur
Das war so nie geplant: vor fast 20 Jahren bin ich aus Österreich ausgewandert und ins transsilvanische Dorf CUND gezogen – das ist nicht unweit der bekannten Städte Sighisoara und Medias – aber hinter den Hügeln versteckt. Dieses Dorf hiess früher REUSSDORF und wurde von deutschen Siedlern aufgebaut und Jahrhunderte lang bewohnt. Die kleinen Bauernhäuser, schön nebeneinander aufgereiht, sprechen eine klare Sprache: die Menschen hier waren nie reich. Mit Kleinlandwirtschaften kamen sie so grade über die Runden, die Kirche, die strengen Regeln der Siebenbürger Sachsen und viel mühsame Arbeit auf den Höfen und Feldern waren ihr Alltag.
Durch die Enteignungen während der kommunistischen Ära und – nach der Grenzöffnung – dem Exodus fast aller deutschstämmigen Dorfbewohner – hat sich die Situation stark verändert. Rumänen und Ungarn sind aus anderen Landesteilen zugezogen, noch später hatte ein Deutscher hier ein Kinderheim für schwer erziehbare Jugendliche aufgebaut.
Und dann kam auch noch ein Österreicher ins Spiel 😉 Das einfache Leben und vor allem die reizvolle Hügellandschaft ums Dorf hatten es mir sofort angetan. Zwei Dorfhäuser waren schnell gekauft, die Renovierung stellte sich allerdings als deutlich schwieriger als geplant heraus. Und dann stand plötzlich auch noch ein wunderschönes kleines Tal zum Verkauf – 30 Jahre lang ungepflegt, zwischen den Büschen und Dornen konnte man erkennen, dass hier einmal ein alter Obstgarten kultiviert wurde. Wie sich später herausstellte, wurden die Birnen- und Apfelbäume durch die Staatsfarm im Jahr 1965 gepflanzt – also genau in meinem Geburtsjahr.
Und da, wie sich schnell zeigte, das alles nicht aus der Ferne zu bewerkstelligen war – nicht die Hausrenovierungen, schon gar nicht, das Farmland wieder nutzbar zu machen – verliess ich kurzerhand Österreich und zog nach Transsilvanien – dem Land „hinter den Wäldern“.
Heute bewirtschafte ich das Tal vor allem für eine Herde von zehn Eseln – gerettet oder übernommen von anderen Plätzen, zum Teil auch hier schon geboren – mähe Heu, wo immer ich mit Traktoren bearbeitbare Flächen anlegen konnte, der Baumschnitt und der schnell sich ausweitende Wald bringen reichlich Brennholz für die Wintertage und – so weit wie irgend wie möglich – verwerten wir auch Birnen, Äpfel und Nüsse von den über 400 Obstbäumen da.
Für die Esel habe ich Zäune gebaut, sie beweiden jetzt die Hänge. Ich musste für sie Unterstände schaffen, einen Brunnen bohren und eine Solaranlage installieren für die Pumpe.
So wurde ich vom Tourismusmanager zum Bio-Bauern, musste Geräte anschaffen – Traktoren, Heupressen, Mulcher, alles was eben nötig ist, um so eine grosse Landfläche allein bearbeiten zu können. Eine intensive, gleichermassen aber auch – vor allem auch im täglichen Umgang mit den Eseln – sehr befriedigende Aufgabe.
Weiters gehören zur Donkey Farm mittlerweile fünf Dorfhäuser – teilweise selbst genutzt, teilweise vermieten wir auch an Gäste aus In- und Ausland. Auch diese Gärten müssen bearbeitet werden, hier ziehen wir Gemüse für den Eigenbedarf, Kartoffel, Mais für die Hühner. Für alle touristischen Aktivitäten aber auch Bio-Produkte, die wir in kleinen Mengen zum Verkauf anbieten, habe ich die Marke CASA IN NATURA geschaffen. Unter dieser Marke hatte ich vor einigen Jahren auch eine Ferienhausvermittlung sowie einen Souvenirladen und kleines Cafe in Sighisoara betrieben. Aber das ist eine andere Geschichte, die mittlerweile Vergangenheit ist.
Auch wenn die Aufgaben denen eines „klassischen“ Bauernhofes ähneln – auf unserem Hof gibt es keine Kühe, keine Schafe oder Ziegen. Wir kümmern uns ausschliesslich um ESEL.
Esel – ein früher weit verbreitetes Nutztier – sind heute in Rumänien kaum noch zu sehen. Die Schäfer, die sie früher einsetzten, um ihr Gepäck auf den langen Wanderungen zu tragen, sind grösstenteils sesshaft geworden. Und so standen Esel oft ohne Aufgabe angepflockt an einem Platz oder wären früher oder später beim Schlachter gelandet. Für sieben Esel – oft von Schäfern, aber auch von anderen Vorbesitzern übernommen – habe ich hier ein neues Zuhause und gutes Leben geschaffen. Mittlerweile ist die Familie durch eigenen Nachwuschs auf elf Tiere angewachsen. Sie beweiden unsere Hänge, bekommen viel Zuneigung und allerbestes Futter und ihre neue, einzige Aufgabe ist heute, Gäste auf Wanderungen zu begleiten.
Neben dem Beweiden der nicht maschinell bearbeitbaren Hänge in unserem Tal (- Landschaftspflege) bieten sie aber noch einen weiteren wichtigen Nutzen: sie produzieren äusserst wertvollen Dünger für unsere Gärten und Wiesen. Und natürlich haben wir sie ganz einfach lieb!
Ich nutze bewusst nicht den Begriff „Eselrettung“, da einige der Tiere von Vorbesitzern kamen, bei denen es ihnen auch gut ging (stimmt: manche wurden auch misshandelt, man erkannte es an ihrer Menschenscheu, die sie nur schwer ablegen konnten), andere wurden schon auf unserem Hof geboren. Eine Liste unserer Esel finden Sie hier
Ich selbst habe im Dorf ein paar Häuschen mit viel Aufwand und Liebe renoviert, perfekte Plätze, um eine naturverbundene Auszeit zu erleben. Tauchen Sie ein in authentisches siebenbürgisches Landleben und geniessen Sie einen Urlaub (oder auch längeren Aufenthalt) in unserem charmanten Ferienhaus.
Die transsilvanische Hügellandschaft um Cund können Sie bei einer geführten Wanderung mit den Eseln kennen lernen und auf Vorbestellung servieren wir ein herzhaftes Essen, zubereitet aus regionalen, biologischen Zutaten (auch vegetarisch). Sie können die Donkey Farm mit Vorreservierung besuchen.
Viele meiner Aktivitäten erfordern Unterstützung und Zusammenarbeit mit Partnern und Spenden sind willkommen.
Wie Sie mein Projekt mit einer Spende oder einer Esel-Patenschaft unterstützen können, erfahren Sie hier.
Ich lade Sie ein, „meine kleine Welt“ im Herzen Transsilvaniens in Form von organisierten Reisen oder einem Kurzbesuch auf der Donkey Farm kennen zu lernen. Und ich weiss, Sie werden sie lieben – so wie ich es tue. Und mehr als das: Sie werden in diesem Umfeld – abseits der Hektik und dem sich ständig weiter steigenden Tempo unseres „modernen“ Lebens – vielleicht ein wenig zu sich selbst finden. Im einfachen Leben, im Wechsel der Jahreszeiten, in der Pragmatik der täglich anstehenden Arbeiten – hier habe ich mein wahres Glück gefunden – und viele meiner Gäste empfinden wohl ähnlich.