Ich habe nachgerechnet: dies ist der 19. Sommer, den ich nun im kleinen transsilvanischen Dorf Cund verbringe. Und ja: im Vergleich war und ist dieser ein besonders heisser. Wie fast überall in Europa. Auf Trockenheit im August haben wir uns schon eingestellt. Wir sammeln Regenwasser – so lange es regnet, nutzen das Wasser aus den eigenen Hausbrunnen SEHR gewissenhaft (beispielsweise spart eine improvisierte Aussendusche nicht nur Wasser, sondern auch Strom für Boiler!), aber dennoch braucht es viel davon – für die Tiere, den Haushalt, das Gewächshaus. Da man ja immer mit mindestens einem Auge das Positive sehen soll, kann ich auch sagen: wir haben weder mit Waldbränden zu kämpfen, noch mit Tornados. Dass der Grundwasserspiegel über die Jahre permanent sinkt – aufgrund weniger Schnee im Winter, aber vor allem auch wegen exzessivem Verbrauch vieler Verbraucher. Als ich 2008 nach Cund kam, hatten viele Häuser noch kein Badezimmer. Waschmaschine, Toilettenspülung, Geschirrspülmaschine und Duschen verbrauchen viel. Vor allem aber, wenn man hier noch in grossem Stil Touristen beherbergt, die meist noch nie im Leben in der Situation waren, Wasser als knappe Resource zu betrachten. Daneben sind in den letzten Jahren noch grosse Gewächshäuser für Tomaten, Paprika, Auberginen usw. gebaut worden – und die einzelnen Farmen benötigen natürlich auch Trinkwasser für Kühe und Schafe. Eine sehr wichtige und – ganz sicher  richtige – Entscheidung war es, auf unserer Sommerweide eine Tiefenbohrung durchführen zu lassen – kostet eine Menge Geld mit dem Risiko, dass man nicht auf Trinkwasser stösst. Nun gut, wir sind – und jetzt können wir mit Hilfe von Solarstrom bestes Wasser für unsere dort lebenden Esel pumpen. Eine massive Verbesserung, musste ich doch bisher Wasser in Containern per Traktor bringen.

Wasser ist Leben und als Bauer – der Beruf, den ich erst sehr spät im Leben gelernt habe – weiss: wo es nicht regnet, wächst auch nichts. Im letzten Jahr konnten wir zum Glück zwei sehr gute Heuernten für die Versorgung der Esel über den Winter einfahren, im heurigen Jahr bisher nur etwa die Hälfte. Da ist es immer gut, nachhaltig zu denken – und ich habe vom Überschuss des letzten Jahres keine Rundballen verkauft, sondern sie als Reserve behalten. So kommen wir ganz sicher auch über den kommenden Winter.

Apropos Winter: nach mehr als sechs Monaten säen, pflanzen, giessen, düngen, gegen Schädlinge verteidigen ist jetzt Zeit der Ernte. Im Gewächshaus und kleinen Gemüsegarten haben wir reichlich herrlich köstliche Tomaten, Paprika, Auberginen, Zwiebel, Knoblauch, Kohlrabi etc. kultiviert, essen sie natürlich gerne auch frisch (und bieten sie manchmal Gästen an), der Rest aber wird für den Winter eingelegt, eingefroren oder getrocknet. Nach so vielen Jahren Erfahrung weiss ich mittlerweile ganz gut, wieviel wovon wir über den Winter benötigen. Zu viel produzieren macht keinen Sinn, zu wenig stellt die Idee der Selbstversorgung in Frage. Jetzt haben wir mit der Kartoffelernte begonnen – der Versuch, einen Teil unter einer Graslage zu ziehen ist kläglich gescheitert – Wühlmäuse und Schnecken haben die gesamte Ernte vernichtet. Zum Glück habe ich noch ein weiteres Kartoffelfeld – traditionell in Ackerfurchen – gepflanzt. Und dank gutem Dünger aus Eselsmist und noch reichlich Regen bis Juli ergibt das eine schöne Ernte. Gleich daneben habe ich ein Maisfeld angelegt und – für die, die nicht wissen, was Bio wirklich bedeutet – ohne irgendwelche Spritzmittel. Das Ergebnis: alle halb oder voll reifen Maiskolben der Nachbarn bleiben von den Vögeln (Spatzen, Dohlen,…) unangetastet, in unserem Feld bleibt gerade mal genug, um mal einen herrlichen frischen Maiskolben gekocht in die Pfanne werfen zu können und den Eseln und Hühnern die halb gegessenen Kolben zu geben. Für Wintervorrat wird wohl wenig übrig bleiben.

Nun, zum Hof gehört auch ein riesiger Obstgarten – noch in kommunistischer Zeit gepflanzt. Die Birnen- und Apfelbäume tragen – trotz ihres Alters – im heurigen Jahr besonders viele Früchte. Fast täglich brechen massive Äste unter der Last ab, die ich sammle und das verwertbare Holz wird uns im Winter wärmen. Natur produziert in solchem Überfluss, dass sie – um den Baum selbst nicht zu gefährden – einen Teil der Früchte, Äste, Blätter opfert. Der Mensch schafft das auch, keiner möchte wissen, wieviele Tonnen Lebensmitteln täglich auf Feldern, bei Grosshändlern, in Lagern, in Supermärkten, bei Restaurants und auch in privaten Haushalten weggeworfen werden. Die dritte Welt müsste garantiert nicht hungern, gäbe es eine machbare, gewollte Verteilung und würde das nicht gegen die Interessen der Industrie gehen. Nun: wir werden also in diesem Herbst eine aussergewöhnlich grosse Menge an Birnen und Äpfeln haben (ich spreche hier von LKW-Ladungen!), mangels Helfern und Vermarktungsmöglichkeit zu sinnvollen Preisen, wird der grösste Teil aber für Esel, Rehe, Bären bleiben. Seit im Dorf keine Erntehelfer mehr zu finden sind, biete ich die Früchte zum Selbsternten an – vor allem für den beliebten Birnenschnaps, aber auch naturtrüben Fruchtsaft. Dass der Obstgarten seit einigen Jahren bio-zertifiziert ist, ändert leider nichts an der Tatsache, dass es kaum mehr Menschen gibt, die sich die Mühe machen wollen, das Obst für ihren Saft oder Schnaps selbst zu ernten. Irgendwie auch verständlich, ich habe das bis vor wenigen Jahren noch gemacht und kann klar sagen: abends schmerzt der Rücken!

Nun, was gibt es sonst noch zu berichten? Glücklicherweise sind alle Esel, das Maultier, die Hunde und Hühner wohlauf. Da ich in Zeiten der Pandemie erfahren habe, wie gut sich die Arbeiten am Hof auch mit einer 1 1/2 Personen-Mannschaft bewältigen lassen – wenn man nicht versucht, auch noch Gäste in Ferienhäusern oder bei Eselwanderungen zu unterhalten – habe ich unsere touristischen Aktivitäten stark zurück geschraubt. Von Zeit zu Zeit macht es allerdings doch Spass, mit Gästen auf eine Wanderung mit den Eseln zu gehen, oder unsere hausgemachten – und meist aus eigenem Anbau stammenden – Spezialitäten in Form eines Buffets zu präsentieren. Dazu gehört natürlich im Holzbackofen gebackenes Sauerteigbrot, viele selbstgemachte Gemüseaufstriche, Salate, Dips usw.

Wer mich fragt: „Ist ein Selbstversorger-Hof in Siebenbürgen machbar und trägt sich das?“, dem kann ich nur antworten: „Es ist möglich, aber man darf sich nicht scheuen, viel zu arbeiten, Rückschläge hinzunehmen, manchmal scheinbar gute Ideen wieder zu verwerfen und man braucht Kraft (auch mental), Ausdauer, Startkapital, Durchhaltevermögen und – wenn möglich – eine/n gleich tickende/n PartnerIn an seiner Seite. Die Arbeit ist auch theoretisch alleine machbar – und da meine Freundin eine Beschäftigung als Lehrerin hat, „stemme“ ich das auch einen grossen Teil des Jahres alleine – aber für die Motivation ist es sehr hilfreich, jemanden zu haben, der an Deiner Seite steht.

Wussten Sie, dass Bram Stoker, der englische Autor, der durch seinen Vampirroman, den er Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlichte, weltberühmt wurde, dieses Land nie bereist hat? Kein Wunder also, dass fast jeder die Geschichte von „Dracula“ kennt und sie mit dem sagenumwobenen „Transsilvanien“ verbindet, wenig real Geschichtliches erfährt. Ja, wo ist denn dieses Transsilvanien eigentlich?

Transsilvanien ist Teil des heutigen Rumäniens, eines EU-Landes also, das so wenige kennen und dennoch so viel zu bieten hat. Nein, nicht die Geschichten eines blutrünstigen Grafen, der nachts aus seiner Gruft steigt, um aus blassen Hälsen das Blut zu saugen. Transsilvanien, das die deutschen Siedler des Mittalters als „Siebenbürgen“ bezeichneten, ist die gesamte Region innerhalb des rumänischen Karpatenbogens. „Trans silva“ bedeutet übersetzt „jenseits der Wälder“ und das sagt auch schon viel über die Landschaft, die man hier vorfindet, aus. „Hinter den Wäldern“ findet man nicht nur Hinterwäldler, sondern eine Jahrhunderte alte Geschichte von deutschsprachigen Siedlern, die hier Land und Privilegien erhielten, um die Königreiche Mitteleuropas vor den Angriffen der Osmanen zu schützen. Befestigte Kirchenburgen zeugen noch heute von ihrer bewegten Geschichte, hundertfach wurde das Dorf von den Wandervölkern aus dem Osten abgebrannt, man verschanzte sich mit Kind, Kegel und Vieh innerhalb der Mauern der Wehrkirche und wenn der Angriff abgewehrt oder weiter gezogen war, baute man das Dorf in Nachbarschaftshilfe wieder auf.

„Nur wo du zu Fuss warst, bist du auch wirklich gewesen“ Johann Wolfgang von Goethe

Im Laufe meines Lebens habe ich viele Reisen unternommen und habe viele Länder gesehen. Allerdings: blicke ich zurück, kann ich klar sagen: „je langsamer man unterwegs ist, desto intensiver ist das Erlebnis“. Während der Pauschaltourist im Reisebus lediglich als schnelle Einkommensquelle angesehen wird, der Individualreisende im Mietwagen oder Wohnmobil – je nach Saison – von den Einheimischen noch als angenehme Abwechslung oder aber als Störfaktor betrachtet wird, ist ein Wanderer immer willkommen. Und so ergibt sich so manche nette Unterhaltung am Dorfbrunnen, im kleinen Tante-Emma-Laden des Dorfes oder bei der Begegnung mit Hirten und Kleinlandwirten.

Weitwanderwege gibt es weltweit viele, der Bekannteste ist wohl der „Via de Compostela“, aber man kann mittlerweile viele wunderbare Regionen Europas und der Welt auf markierten Pfaden erkunden. Im Jahr 2018 hatte eine findige rumänische Gruppe die Idee, internationalen Beispielen folgend, auch hier einen Weitwanderweg zu kreiieren, mittlerweile wurde dieser auf 1.400 km ausgeweitet und quert das Land vom Nordosten – der Bukowina bis Südosten – dort wo die Donau den Grenzfluss zu Serbien bietet. 1.400 km durch ein recht unbekanntes Land, bis 1989 ganz hinter dem Eisernen Vorhang versteckt, wo die Zeit seit hunderten Jahren still zu stehen scheint. Eine in Europa einzigartige Biodiversität findet man entlang der Wege, dazu historische Städte und Burgen, die während der kommunistischen Ära im Dornröschenschlaf konserviert waren.

Heute ist Rumänien Teil des vereinten Europas und dennoch vielen unbekannt. An vielen Orten trifft man noch auf deutschsprachige Bewohner, wenn auch der grösste Teil der früheren „Siebenbürger Sachsen“ – wie man die deutschen Siedler im Gebiet des heutigen Rumäniens nannte – nach der Revolution 1989 fluchtartig das Land verlassen hat. Geblieben sind ihre Architektur, sie haben Landschaften und Sprache geprägt, „deutsch“ gilt immer noch als ultimatives Qualitätsmerkmal in Rumänien und an vielen Orten findet man Hinweise auf ihre Jahrhundete währende Präsenz in Transsilvanien.

Selbstverständlich kann man die Via Transilvanica auch eigenständig erkunden – es gibt eine gute Dokumentation und Wegbeschreibung hier

Allerdings macht es eine Reise bedeutend leichter und komfortabler, wenn Sie sicher gehen können, dass Ihre Unterkünfte bereits vorab reserviert wurden, Sie vom Flughafen oder Bahnhof abgeholt und zum Ausgangspunkt der Etappe gebracht werden und Sie Ihr gesamtes Gepäck nicht auf jeder Tagesetappe tragen müssen, sondern wir dies für Sie von Unterkunft zu Unterkunft transportieren. Sie gehen lediglich mit leichtem Tagesgepäck und bei grosser Hitze oder schlechtem Wetter ist auch das oft schon eine grosse Herausforderung. Sollte etwas Unvorhergesehenes passieren und Sie die Wanderung abbrechen müssen, steht Ihnen Ihr Reiseassisten immer zur Seite und organisiert alles Nötige. Eigenständig wandern, aber im Hintergrund immer eine Organisation, die zur Seite steht, wenn es nötig ist – das ist unser Konzept der 2-wöchigen Wandertour „Wandern auf der Via Transilvanica“ , die modular aufgebaut ist und man entweder als 2-wöchige Kombitour oder aber jedes Modul einzeln (Wochentouren) buchen kann. Gewählt haben wir aus der gesamten Strecke der Via Transilvanica zwei der spektakulärsten Regionen – machbar für jeden halbwegs erfahrenen Wanderreisenden.

An-/Abreise erfolgt individuell nach Sibiu, mit günstigen Flugverbindungen aus Deutschland, Österreich, Schweiz (Lufthansa, Austrian, Swiss, WizzAir…) sowie komfortablen Nachtzügen aus Wien und Budapest. Wanderfit sollten Sie für bis zu 30 Tageskilometern (mit leichtem Gepäck) und 700 Höhenmeter sein. Und, selbstverständlich, sollten Sie die Neugierde und Offenheit mitbringen, die dann unterwegs die wunderbaren Begegnungen mit anderen Wanderern und Einheimischen ermöglichen, die dann noch lange im Gedächtnis bleiben.